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Lucerne Festival Ein Klangkörper der neuen Art Das Staatsorchester Hamburg mit Ingo Metzmacher ........... Zum Beispiel beim «Requiem für einen jungen Dichter» von Bernd Alois Zimmermann, das hier, gut dreissig Jahre nach der von Michael Gielen geleiteten Düsseldorfer Uraufführung, zum ersten Mal in der Schweiz gespielt worden ist. Ein kapitales Werk, eine kapitale Aufführung - wiewohl der Konzertsaal im Kultur- und Kongresszentrum Luzern eindeutig an seine Grenzen gekommen ist. Zimmermanns Requiem ist, unter anderem, eine Raumkomposition, bei der die Klänge, die natürlichen wie jene aus den Lautsprechern, von allen Seiten auf den Zuhörer eindringen; gegen Ende des Stücks ergibt sich sogar eine Situation, bei der sich das akustische Abbild eines Kreuzes erleben lässt. Aus guten Gründen schlägt die Partitur denn auch vor, in einem rechteckigen Raum die Zuhörer längs und auf einer Ebene zu placieren. Das ist im neuen Luzerner Konzertsaal mit seiner festen Bestuhlung und seinen vielen Galerien unmöglich. Ein Gutteil des Publikums hat das Werk daher nur in Umrissen wahrnehmen können; zu wenig distinkt die akustischen Ereignisse, in den sprachlichen wie den musikalischen Teilen. Dennoch hat der gewaltige Entwurf Zimmermanns seine Wirkung nicht verfehlt, und sehr zu Recht hat Ingo Metzmacher in seiner kurzen Einführung auf die ungebrochene Aktualität des Stücks hingewiesen. Die Sprachkomposition des ersten Teils, eine auf Band festgehaltene Montage von Textzitaten mit musikalischen Einwürfen, spiegelt zwar die Lebenszeit des Komponisten zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und den gesellschaftlichen Umbrüchen nach 1968, aber sie zeugt in paradigmatischer Weise von der Schwäche wie der Stärke des Individuums. In die vorgefertigte Collage mischt sich das Orchester ein - auch mit einer Jazz-Combo, denn Zimmermann hat in diesem Werk seiner Vorstellung von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen besonders plausiblen Ausdruck verliehen. Und dann gibt es diesen gewaltigen Verzweiflungsschrei, den die Chöre aus Brno, Bratislava und Mainz zusammen mit dem Orchester in den Raum setzen; er dringt schwer in die Seele. Abgrundtief die Verlorenheit, die sich in den weiteren Teilen verbreitet; das «Dona nobis pacem», mit dem das Werk verklingt, scheint nicht erhört zu werden. |
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